„Telemedizin haben wir schon immer gemacht – per Telefon“

Die Glocke berichtet in ihrer heutigen Ausgabe über unsere Veranstaltung zum Thema „e-health – Gesundheitsversorgung im ländlichen Bereich“:

Herzebrock-Clarholz (upk). Der Wunsch des Harsewinkeler SPD-Ortsvorsitzenden Ralf Dräger „Ich hoffe, dass Sie aus dieser Veranstaltung ein Stück schlauer rausgehen als Sie reingekommen sind“ hat sich am Montag auf ganzer Linie erfüllt. Gemeint war ein Informations- und Diskussionsabend zu Gesundheitsthemen, zu dem Dräger, sein Kollege Heiner Willikonsky aus Herzebrock-Clarholz und die heimische Bundestagsabgeordnete Elvan Korkmaz (SPD) in die Zehntscheune in Clarholz eingeladen hatten. Gesprächspartner waren der SPD-Bundestagsabgeordnete Dirk Heidenblut, in Berlin vertritt er seine Partei jeweils im Ausschuss für Gesundheit und für Digitalisierung, der Rietberger Allgemeinmediziner Dr. Reinhard Hochstetter und der kaufmännische Direktor am Klinikum Gütersloh, Andreas Tyzak.

Auf der Agenda der Veranstaltung standen die Themen Telemedizin, E-Health (Digitalisierung im Gesundheitswesen) und der Ärztemangel im ländlichen Raum. Den Auftakt machte der Abgeordnete aus Essen mit einem kurzen Impulsreferat, in dem er über den Stand der Dinge bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen berichtete. „Im März 2019 ist vom Bundestag beschlossen worden, die Krankenkassen zu verpflichten, ab Januar 2021 ihren Versicherten eine elektronische Versicherungsakte zur Verfügung zu stellen“, so Heidenblut – um damit die Versorgung zu optimieren und strukturschwache ländliche Gebiete besser zu versorgen. Was gespeichert werden dürfe, liege allerdings – nicht zuletzt aus Datenschutzgründen – bei den Versicherten.

Andreas Tyzak kritisierte in seinem Beitrag die derzeit fehlende digitale Infrastruktur und den administrativen Aufwand. Dass heute in Kliniken noch gefaxt werde, findet der kaufmännische Direktor anachronistisch: „Bei uns ist vieles 1985.“ Die Digitalisierung ermögliche im Übrigen mehr Zeit für die Patienten: „Dann kann ich mich mehr der Versorgung widmen.“ Sein Wunsch: Auch die Honorarordnung auf die Agenda zu nehmen und neue Lebens- und Arbeitsmodelle zu berücksichtigen.

Eine Einschätzung, die auch Hochstetter unterstützte. Es gehe nicht nur um fehlende Ärzte, sondern auch um die fehlende Bereitschaft, Hausarzt werden zu wollen. „Wir importieren Ärzte, exportieren sie aber auch.“ Wichtig sei, den Beruf auch durch flexible Arbeitsbedingungen attraktiver zu machen. Dass in Bielefeld eine medizinische Fakultät entsteht, begrüßte Hochstetter. Auch er habe sich dafür eingesetzt. Ein knapper Satz noch zur Telemedizin: „Das haben wir schon immer gemacht – per Telefon.“

Anschließend nutzten die rund 30 Besucher die Gelegenheit, mit den Experten zu diskutieren. Die Digitalisierung müsse kommen, so eine Zuhörerin, die nach eigener Angabe in einer Praxis gearbeitet hat: „Wegen der Arbeitsoptimierung und der Sicherheit.“

 

© Die Glocke Gütersloh | Kreis Gütersloh | 05.09.2019 | Seite 20

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